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Komponist
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Zeitsprünge - 40 deutsch-deutsche Jahre
 

  Sinfonische Erzählung op. 30
(gemeinsam mit dem Komponisten Joachim Schmeisser) für Sopran/Sprecherin, Bariton/Sprecher und Combo.
Orchester: 2; 2; 2; 2;/2; 2; 2;/ 3P./ Viol. 1;2; Violen, Violoncelli, Kontrabässe.
Combo (aus dem Orchester): Klavier, Klarinette in B, Sax. Es Alt, Kontrabass, Pos., Schlagzeug.
Texte von Konrad Adenauer, Willi Stoph, Walter Ulbricht, Heinrich Heine, Willy Brandt, Erich Honecker,  dem Unbekannten Berliner und Michael Lundt.
Deutsche Geschichte von 1945 (Kriegsende) bis in eine noch vor uns liegende offene Zukunft in Zeitsprüngen anhand von Politikerzitaten aus Ost und West. Geschrieben von einem West- (Lundt) und einem Ost-Berliner Komponisten (Schmeisser). Sie wollten im Laborversuch an sich selbst ausprobieren, ob „... zusammenwächst, was zusammengehört..." (Willy Brandts Forderung nach dem Umbruch in der DDR). Es wuchs zusammen, gut sogar, zu einer produktiven künstlerischen Partnerschaft.

Die erhabenen Sätze der Politiker wurden im gregorianischen Stil gesetzt, um ihren Tiefgang besonders zu würdigen. Alle Textautoren haben großmütig auf Honorare verzichtet, um diese Komposition zu ermöglichen. Die beiden Komponisten danken ihnen ganz besonders dafür.

Die Musik beginnt in dem Augenblick des 8. Mai 1945, dem Kriegsende, in dem das Töten aufgehört, aber das Leben noch nicht wieder begonnen hat. Über die Teilung des Landes, den aus heutiger Sicht oft komisch anmutenden Wettlauf der beiden politischen Systeme mit dem Anspruch, jeweils das bessere zu sein, dargestellt als herumtänzelnde Nationalhymnen Ost und West, die materielle, geistige und wirtschaftliche Entwicklung in den beiden Staaten und die Rolle der „großen Brüder", die aufpassen, damit die beiden kleinen Ländchen nichts anstellen, der Mauerbau, die Erstarrung und die bleierne Zeit auf beiden Seiten, die pfiffigen Bürger, die sich irgendwie durchlavieren, die Verhandlungen zwischen den beiden Staaten, die ersten Löcher in der Mauer, die nach Osten (!) flüchtenden DDR-Bürger (dargestellt in einer Pizzicato-Fuge der in Richtung Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien  wegtrippelnden Menschen), die Feststellung Honeckers (bei August Bebel geklaut) „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf" wird zu einem erfrischenden Kanon verwurstet, sein Satz im August 1989 „... Die Mauer wird noch 100 Jahre stehen..", der Mauerfall am 9. November 1989, der Einheitsrausch (das Orchester spielt unisono), und dann die bange Frage, was die Zukunft bringt. Mit der Aufforderung „Denk mal!" endet das Stück. Vorerst jedenfalls.

UA 1992 in Berlin, Referenz-CD vorhanden, Notenmaterial beim Komponisten.